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Samstag, 22. Juni 2019

Mein Blog hat gezügelt!

Du findest ihn ab sofort unter wellbeing-works.ch

Selbstverständlich habe ich auch alle bisher erschienenen Posts dorthin gezügelt.

Komm mich besuchen bei wellbeing-works.ch

Donnerstag, 25. April 2019

Laut Arbeiten macht agiler und digitaler: Working Out Loud

Foto von rawpixel.com von Pexels


Kürzlich bin ich Umfeld von Agilität, Flexibilität und Cultural Change über die «Working Out Loud»-Methode gestolpert. Working Out Loud – laut arbeiten - was soll das sein? Und wo ist der Zusammenhang zu Agilität und neuen Arbeitsformen? Mithilfe dieser Fragen habe ich versucht, mich ein bisschen schlau zu machen. Ich denke, es ist auf jeden Fall eine interessante Idee für alle im Umfeld von Organisations- und Personalentwicklung.

Wir leben in einer vernetzten Welt


Auch in immer mehr Unternehmen werden starre Hierarchien langsam von Netzwerken abgelöst. Working Out Loud bietet Techniken, um die dafür nötigen Vernetzungskompetenzen aufzubauen und einzusetzen. Es kann aber auch helfen, Beziehungen zu vertiefen und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Als Person wie auch als Organisation.

Vernetztes Denken ist eine unbedingte Voraussetzung, um die heute ablaufende Transformation zu meistern. Innovation ist nicht möglich, wenn wir nicht eng vernetzt sind und selbstorganisiert zusammenarbeiten. Working Out Loud bietet die dafür benötigten Werkzeuge. 

Eine sehr gute, kurze Einführung in die Grundlagen und Wirkungsweise der Methodik bietet der Artikel «Mach deine Arbeit sichtbar! So funktioniert Working Out Loud» auf Tandemploy.


Was ist Working Out Loud?


John Stepper, der Erfinder, definiert Working Out Loud so: «Anstatt Netzwerke zu knüpfen, um etwas zu erreichen, investierst du in Beziehungen […].

Die Ergebnisse? Wenn du WOL anwendest, schaffen deine Beiträge im Laufe der Zeit Vertrauen und vertiefen ein Gefühl der Verbundenheit, was die Chancen auf Zusammenarbeit und Miteinander erhöht.»

Der Weg, um hierhin zu kommen, sind Working Out Loud Circles. «Die Circles sind kleine Peer-Support-Gruppen, in denen du mit deinem Ziel verbundene Beziehungen aufbaust. Dabei verwendest du über einen Zeitraum von 12 Wochen einfach strukturierte Leitfäden, die Circle Guides. Während dieser Zeit entwickelst du Gewohnheiten und Denkweisen, die du auf jedes Ziel anwenden kannst.»

Dies und vieles mehr findest du auf John Steppers eigener Website.

                                                         

Zu aufwendig für dich? Brauchst du einen Short Cut?


Janine Kirchhof bemerkt in ihrem Blog «Fünf einfache Tipps, um mit Working Out Loud zu starten» wohl zu Recht, dass viele das 12-Wochenprogramm nicht so einfach schaffen. Sie empfiehlt deshalb, mal nur mit diesen fünf wichtigsten Komponenten zu starten:

1. Melde dich in einem beruflichen Netzwerk an und erstelle ein Profil


Verbinde dich vor allem mit Menschen, die dich inspirieren, auch wenn du sie noch nicht kennst.

2. Schließe dich relevanten Communities an


Hier werden interessante Informationen geteilt und du kannst von ausgewiesenen Experten lernen.

3. Reflektiere über deine Arbeit indem du einen Beitrag dazu schreibst


Stelle dein Wissen und deine Überzeugungen anderen zur Verfügung, indem du einen Blog erstellst oder Artikel auf LinkedIn schreibst.

4. Schreibe Referenzen


Vergib Referenzen an deine Mitarbeitenden oder Kollegen. Gut möglich, dass sich der eine oder die andere auch mit einer Referenz für dich revanchiert.

5. Nimm an interessanten Events teil und tausche Dich dort mit Gleichgesinnten aus


MeetUp ist eine interessante Plattform dafür. Hier werden selbstorganisierte, oft kostenlose Veranstaltungen zu einer Vielzahl von Themen gelistet.  



Hast du Erfahrung mit Work Out Loud?

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Was hast du schon erreicht damit? Wie und wobei setzt du es ein? Gibt es auch negative Aspekte, die zu beachten sind? Bitte teile deine Gedanken mit uns!

Donnerstag, 28. März 2019

7 interessante Artikel zu psychischer Gesundheit


Nennen wir das Kind beim Namen: Wenn wir von Betrieblichem Gesundheitsmanagement und Wellbeing sprechen, dann geht es nicht in erster Linie um die physische Gesundheit und um körperliche Fitness. Worauf wir als Unternehmen hauptsächlich Einfluss haben, ist die psychische Gesundheit – das Wohlbefinden und Glücklichsein bei der Arbeit.




Ich möchte deshalb hier 7 kürzlich erschienene Artikel zum Thema vorstellen, die ich für lesenswert halte. Weitere werden folgen.



Zoe Blarowski

Warum sind Depressionen auf dem Vormarsch?


Heute leiden etwa zehnmal mehr Menschen an Depressionen als 1945. Depressionen sind zudem weltweit die häufigste Ursache für Invalidisierungen.

Was treibt diesen globalen Anstieg der Depressionen an? Höchstwahrscheinlich ein komplexer Mix von Faktoren, von denen wir die meisten aber beeinflussen können:

1. Grössere soziale Akzeptanz


Vielerorts hat die Depression nicht mehr so viel von einem sozialen Stigma wie früher. Dadurch stehen mehr dass zu ihren psychischen Problemen und suchen Hilfe.

2. Chronische Krankheiten


Auch chronische Krankheiten nehmen mit der steigenden Lebenserwartung laufend zu. Depressionen aktivieren die gleichen neuronalen Signalwege in unserem Gehirn aktivieren wie bspw. Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

3. Drogengebrauch


Depressionen treten häufig in Verbindung mit Drogenmissbrauch auf.

4. Soziale Isolation


Immer mehr Menschen sind allein und einsam. Unsere Zeit wird durch lange Arbeitszeiten, Technologie und andere Anforderungen verbraucht, die mit der Pflege sozialer Kontakte konkurrieren.

5. Technologie


Virtuelle Interaktion mit anderen kann das Risiko einer Depression erhöhen.

6. Moderne Lebensstile


Viele Aspekte des modernen Lebens können das Risiko einer Depression ebenfalls erhöhen, wie z.B. schlechte Ernährung, Bewegungsmangel oder zu wenig Schlaf.



Christoph Schäfer 

Deutlich mehr Arbeitnehmer leiden unter Stress und Depression  


Vor 60 Jahren war das Risiko auf der Arbeit einen Unfall zu erleiden 5x höher als heute. Andererseits hat sich die Zahl der psychischen Leiden und Verhaltensstörungen in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Psychische Krankheiten sind auch mit Abstand die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit.

Unterdessen ist eindeutig nachgewiesen, dass psychische Belastungen mit dem Veränderungen in der Arbeitswelt zunehmen. Klar ist jedoch auch, dass persönliche Merkmale und private Probleme ebenso eine Rolle spielen.

Was sind das für psychische Belastungen bei der Arbeit?


Zu viel Arbeit, für die zu wenig Zeit zur Verfügung steht, Schichtarbeit, lange, unregelmässige oder nicht vorhersehbare Arbeitszeiten, fehlende Erholungsmöglichkeiten, unpassende Pausengestaltung, Termin- und Leistungsdruck, Multitasking und dauernde Unterbrechungen, berufliche E-Mails und Anrufe in der Freizeit sowie fehlende Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen.

Eine lange und sicher nicht abschliessende Aufzählung! Mit Lösungsvorschlägen kann die vorgestellte Studie aber leider nicht glänze und bietet nicht mehr als Allgemeinplätze.



Julia Poggensee 

Weniger Krankheitstage: Arbeitnehmer fehlen seltener wegen psychischer Erkrankungen 


Ist der Trend gebrochen?

Eine deutsche Krankenkasse meldet, dass sich die Krankheitsabsenzen 2018 zwar leicht erhöht haben. Die Fehltage aufgrund psychischer Leiden seien aber zum 1. Mal seit 12 Jahren zurückgegangen. Besonders deutlich bei den Depressionen - um 17 Prozent.

Vielleicht also ein schwaches Licht am Horizont

Zu beachten ist aber natürlich, dass das untersuchte Sample nur eine Teilmenge aus einem Land ist. Also sicher zu früh, um von einem Trend zu reden.



Sarah Knapton 

Bei den Millennials nehmen Depression und Suizid zu 


Junge Menschen sind heute häufiger depressiv und suizidgefährdet als vor 10 Jahren. Sie schlafen weniger, sind eher übergewichtig, haben ein schlechteres Körperbild und mit ihrem Konsum sozialer Medien zu kämpfen.

Die Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit fiel mit dem Aufstieg der sozialen Medien zusammen, da Teenager die Art von Perfektion erreichen wollen, die ihnen dort gezeigt wird. Es ist auch möglich, dass Smartphones in den Schlafzimmern für die Verkürzung des gesunden Schlafs mitverantwortlich sind.

Andererseits haben asoziales Verhalten und Drogenkonsum unter Jugendlichen in den letzten 10 Jahren abgenommen. Zwei Faktoren, die in früheren Studien als Ursachen für eine schlechte psychische Gesundheit erkannt wurden.



Brian Resnick: 

Hört auf, die psychischen Probleme von Teenagern auf"Bildschirmzeit" zu schieben


Wie viel Zeit Jugendliche an ihren Smartphones, iPads, Laptops etc. verbringen, ist die falsche Frage.

Ja. Ängste, Depression und Selbstmord sind bei Teenagern auf dem Vormarsch. Es ist aber nicht klar, was diese Trends antreibt.

Eine Hypothese taucht aber immer wieder auf


Da Smartphones und digitale Technologien die Art und Weise, wie Menschen miteinander und mit der Welt umgehen, grundlegend verändern, führen sie wohl auch zu mehr Stress und Isolation.

Falsch!


Mit digitalen Technologien können sehr unterschiedliche Dinge angestellt werden, die im Kopf unterschiedlich wirken.

Wenn Forscher herausfinden wollen, ob es wirklich Zusammenhänge zwischen Technologiegebrauch und psychischer Gesundheit gibt, müssen sie genauer untersuchen, was Jugendliche auf ihren Handys tun und nicht nur, wie viel Zeit sie damit verbringen.



Dave Kerpen

3 Dinge, um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu verbessern


Mit ein paar einfachen Aktivitäten können vor allem Führungskräfte die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden verbessern und gleichzeitig das Ergebnis des Unternehmens steigern.

1. Mit gutem Beispiel vorangehen


Die Art, wie du als Führungskräfte mit deinem eigenen Stress  umgehst, wird von Teammitgliedern wahrgenommen und oft übernommen. Offen über die eigenen Stressmomente und Lösungen reden ermutigt die Teammitglieder, zu dir zu kommen, wenn ihr Stress zu gross wird.

2. „Angeschlagene“ Teammitglieder ansprechen


Führungskräfte, die in engem Austausch mit den Mitarbeitenden sind, erkennen meist schnell, wenn etwas nicht stimmt. Versuche aber nicht eine Diagnose zu stellen, sondern zeige einfach deine Unterstützung. Mach deutlich, dass du dich um sie als Person Sorgen machst, nicht nur als Mitarbeitende. Frage, ob die Arbeitssituation mit ihrem Problem etwas zu tun habe und biete an, bei beruflichen Herausforderungen zu unterstützen.

3. Psychische Gesundheit thematisieren


Weise regelmässig darauf hin, welche Ressourcen das Unternehmen zur Verfügung stellt. Erwähne auch, wie du und das Team in solchen Situationen Unterstützung anbieten können.

Wenn immer möglich, sollte im Unternehmen ein Mitarbeiterunterstützungsprogramm eingerichtet werden. Wichtig ist, dass dieses rund um die Uhr Hilfe anbietet und jeder Anruf, jede E-Mail, jede Live-Chat etc. sofort von einer echten Person beantwortet wird, die bereit ist zuzuhören. Stelle auch sicher, dass die Mitarbeitenden wissen, dass es absolut vertraulich ist.



Gaby Hinsliff 

Laufen, schwimmen, kochen: das neue Rezept zum Glücklichsein  


Ihr Verstand musste sich mit etwas beschäftigen, das sie aus ihren schrecklichen Gedanken herausführte. Und er entschied sich, höchst unerwartet, fürs Backen.

Ein Fuß vor den andern setzen, in einen regelmässigen Rhythmus fallen, um die dunklen Gefühle in Schach zu halten.

Für ihre psychische Gesundheit begann sie in eiskaltem Wasser zu schwimmen und in die Natur einzutauchen.

3 unterschiedliche Mittel, um den schwarzen Hund in Schach zu halten. Etwas Einfaches tun, aber gerade genug zu absorbieren, um vom vorliegenden Problem abzulenken.

Dies mag in individuellen Situationen helfen


Aber damit kratzen wir nur an der Oberfläche dessen, was die Menschen psychisch widerstandsfähiger machen könnte. Als Unternehmen wie als Gesellschaft sollten wir Glück als grundlegendes Ziel betrachten. Konkret hiesse dies bspw. sich für die Überwindung von Einsamkeit oder die Verkürzung der Arbeitswoche einzusetzen – zwei der Dinge, die von den meisten Menschen als Haupttreiber für psychische Probleme angesehen werden.

Aber was ist schon Glück …


… im Vergleich mit den riesigen Herausforderungen in Politik und Wirtschaft?






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Donnerstag, 14. März 2019

Sind Väter froh, wenn sie nicht (noch) mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen müssen?


Foto von Luis Quintero von Pexels

Aus meiner Sicht ganz klar, nein! Aber ich gebe es unumwunden zu: In dieser Beziehung bin ich auch kein Vorbild. Ich habe zu viel Zeit für meinen 100% Job und zu wenig für Familienarbeit aufgewendet. Als alter Babyboomer, rede ich mir ein, habe ich zumindest eine halbe Ausrede. Heute geht das ja viel einfacher und Männer aus den nachfolgenden Generationen sind auch viel offener dafür. Millennials und Generation Z werden sich also selbstverständlich viel intensiver an der Kinderbetreuung beteiligen.


Ja, denkste!


Eine neue Studie (siehe Artikel 1, 2, 3) hat diese Überzeugung ins Wanken gebracht und mich ein bisschen erschüttert.


Was sind die Findings dieser Studie?


Diese Studie aus Deutschland hat untersucht, wie Väter und Mütter die gewonnene Zeit verwenden, wenn sie flexibel arbeiten können. Sprich, wenn sie Home Office machen oder ihre Arbeitszeit selbst bestimmen können.

FlexWork verstärkt die die traditionelle Rollenverteilung!


Klar, Familie und Beruf zu vereinbaren, ist nicht einfach. Speziell seit immer häufiger beide Elternteile arbeiten. (2) Im betrieblichen Umfeld unterstützen wir mit Home Office und flexiblem Arbeiten. So dachte ich und so dachten wir wohl fast alle.

Wozu nutzen Väter und Mütter Home Office?


Zuerst einmal um mehr (fürs Geschäft) zu arbeiten. Mütter eine zusätzliche Stunde pro Woche, Väter zwei. Für die Kinderbetreuung wenden Mütter wöchentlich drei zusätzliche Stunde auf, wenn sie Home Office machen. Und Väter? Keine, Null, nada! Männer wenden nicht mehr Zeit auf für Kinder. (1)

Aber es kommt noch dicker


Bei flexiblen Arbeitszeiten sind die Unterschiede nämlich noch ausgeprägter. Auch hier arbeiten Mütter eine knappe Stunde mehr für den Brotjob, Väter sogar 3.5 Stunden (meist unbezahlt). Um die Kinder kümmern sich Frauen zusätzlich 1.5 Stunden, Männer hingegen eine Stunde weniger! (1)

Ebenfalls bemerkenswert: In keinem der beiden FlexWork-Modelle gibt es einen Gewinn an Freizeit. (1)


Was sind die Gründe?


Tja, das habe ich mich auch gefragt. Wollen auch moderne Männer nicht mehr Familienarbeit übernehmen? Haben sie zu wenig Interesse an den Kindern? Oder zumindest keine Lust auf die alltägliche Kinderbetreuung – sind sie eher für die „Quality Time“ zuständig? Sind sie demnach ganz froh, wenn sie den Job als Ausrede vorschieben können?

Oder stehen Männer auch heute immer noch viel stärker als Frauen unter Druck, Karriere zu machen?


Von der Gesellschaft, der Firma, der Familie, der eigenen Frau?

Ist die Selbstachtung bei Männern stärker von der Karriere abhängig? Haben wir Angst, in der Firma als Loser und vor Kollegen als Weichei zu gelten, wenn wir vermehrt Familienarbeit übernehmen?

Oder wollen das Frauen gar nicht?


Weil wir es vielleicht nicht genau so (oder so genau) machen wie sie? Brauchen Männer in der Familienarbeit mehr Empowerment?

Ist für die meisten Männer die intrinsische Motivation für den Job so viel grösser als für die Familie(narbeit)? Wertschätzung, Anerkennung, Spass, Handlungsspielraum, Kollegen, Einfluss, Selbstwirksamkeit? Falls ja, weshalb? Hat es damit zu tun, dass Männer strikte trennen zwischen sich täglich wiederholender Betreuungsarbeit und der sogenannten „Quality Time“?

Lässt sich die Studie überhaupt auf unsere Situation übertragen?


Das ist eine Studie aus Deutschland; das müsste man zuerst mal noch bei uns in der Schweiz untersuchen! Kann sein. Aber es gibt weitere deutliche Anzeichen, dass sich die traditionellen Rollenmuster nicht oder nur unmerklich auflösen. Trotz bestehenden Angeboten (6) arbeiten immer noch viel weniger Väter als Mütter Teilzeit und viele Väter beziehen nicht einmal ihren Vaterschaftsurlaub (vollständig).


Welche Lösungsansätze bieten sich an?


Politische


Erwähnt wird die Ausweitung der Partnermonate im Elterngeld. (1) In der Schweiz diskutiert man aktuell über die Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs.

Gesellschaftliche


Die fixe Idee, dass Kinderbetreuung in erster Linie Frauensache sei (selbst wenn beide Partner ähnliche berufliche Verantwortung haben), muss überwunden werden. (4)

Individuelle


Männer müssten Teilzeitarbeit in ihrer Firma resoluter einfordern und sich nicht so einfach abspeisen lassen. Frauen ihrerseits dürften ruhig auch stärker als bisher von ihren Partnern fordern, dass diese ihr Pensum reduzieren. (6)

Ein paar Tipps an die Väter aus dem Artikel von Glazer (4):
  • Du bist Vater, nicht Babysitter
  • Wenn du übernimmst, übernimm alles, was dazu gehört. Finde es heraus.
  • Wenn du dich um die Kinder kümmerst oder kurzfristig kümmern musst, begründe dies in der Firma nicht mit einer faulen Ausrede (wie etwa: meine Frau ist heute verhindert). Steh dazu.


·     Betriebliche


Gar stärker als in der Gesellschaft ist in den Firmen zumindest unterschwellig das traditionelle Rollenmuster immer noch weitverbreitet: Väter als „Ernährer“ und Mütter als „Betreuerinnen“. (1, 3, 4). Eine Reduktion des Arbeitspensums ist meist noch ein Karrierekiller. (7) Zu oft ist es für Väter noch tabu, offen zum Ausdruck zu bringen, dass sie familiäre Verpflichtungen haben, die ihre Aufmerksamkeit erfordern. (4)

Mitarbeitende sollten spüren, dass ihre familiären Verpflichtungen ihren Führungskräften nicht egal sind. Und sie sollten miterleben, dass die Führungskräfte sich auch um ihre eigene Familie und Verpflichtungen kümmern. Sie werden es ihnen mit Motivation, Einsatz und Loyalität danken. (4)

Es geht also weniger um HR Policies als um  Kultur und Empowerment (5)


Trotzdem können natürlich HR-Initiativen zum Kulturwandel beitragen. Ich denke da an explizite Aktionen, um Teilzeit bei Männern zu fördern: Teilzeitmann (6) oder auch das Angebot, für eine befristete Zeit Teilzeit auszuprobieren (Teilzeit auf Probe).

In eine ähnliche Richtung geht die Förderung von Job bzw. Top Sharing. Braucht ein bisschen Mut (von den Teilnehmern und der Firma), ist aber das beste Argument dagegen, dass in bestimmten Jobs Teilzeit nicht geht. Lerneffekte zwischen dem Job Sharing zu Hause und dem im Betrieb sind dazu noch geschenkt.

Übrigens: Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass alleinerziehende Eltern nicht das einzig funktionierende Modell ist. Wieso soll es dann der „alleinführende“ Vorgesetzte sein?

Und zu guter Letzt, was ich schon seit mindestens 30 Jahren immer wieder höre: Skills, die man/frau sich in der Familien-/Betreuungsarbeit aneignet, sind wichtig für Führungs- oder andere verantwortungsvolle Aufgaben im Unternehmen. Schön gesagt – wenig umgesetzt.

Es wäre nun an der Zeit!




Besprochene / verwendete Artikel



1) Swantje Unterberg: Väter nehmen sich nicht mehr Zeit für ihre Kinder, selbst wenn sie es können [LINK]




2) Alexander Hagelüken: Homeoffice zementiert traditionelle Rollenbilder [LINK]







3) Home-Office: Flexibilität fordert mehr Überstunden [LINK] 







4) Robert Glazer: It’s Time for Some Dads to Step-Up for Working Moms [LINK]







5) Julie Provino: How can HR create change for women at work in the Post-#MeToo era? [LINK]






6) Andrea Vetsch : Väter schaukeln lieber Karriere als Kinder [LINK]





7) Für Väter gilt: lieber Vollzeit als Teilzeit! [LINK]




=> Siehe auch mein Post «Home Office - Innovationskiller?» [LINK]


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Mittwoch, 6. März 2019

5 Mal Achtsamkeit im Unternehmen


Evgenia Dolgova 

Mindfulness at work: how 10 minutes can make employees more creative 

[LINK



Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist der psychologische Prozess, bei dem man bewusst wahrnimmt, was im Hier und Jetzt geschieht, ohne sich sofort ein Urteil zu bilden. Sie wird oft zum Stressabbau eingesetzt und versetzt uns in einen reflektiven, bewussten Zustand. Studien zeigen, dass wir schon mit einem 10-minütigen Achtsamkeitstraining die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, originelle und innovative Ideen zu generieren.

Es würde sich also für Unternehmen lohnen, Querdenken zu fördern und den Mitarbeitenden Mittel und Zeit zur Verfügung zu stellen, um innovativer zu werden. Achtsamkeitstrainings sind zudem günstig, für jedermann zugänglich und einfach in der Arbeitsumgebung durchzuführen.




Uwe Reusch, Silke Engelke 

Mindful Leadership | Achtsame Führung in einem komplexen Umfeld 

[LINK]



In einer komplexen Welt wie heute sind einfache Verhaltensmuster nach dem Schema «Reiz – Reaktion» selten mehr angemessen. «Achtsame Führung» kann eine valable Alternative sein.

Hauptzweck eines Achtsamkeitstrainings ist die Selbststeuerung der eigenen Aufmerksamkeit. Im Moment präsent zu sein hilft wahrzunehmen, was im eigenen Bewusstsein abläuft und unbewusste Muster zu entdecken und zu überwinden. Dadurch schafft man sich Raum und Zeit für seine Intuition und für situativ angepasstes, empathisches Verhalten. Die Grafik im Artikel stellt dies sehr eindrücklich dar.

Was bewirkt denn erhöhte Achtsamkeit?


Der Autor zählt eine ganze Menge positiver Effekte auf. Bessere Führung, höhere Motivation und Zufriedenheit, mitarbeiterorientiertes Klima, höhere Konzentration und Kreativität, weniger Stress, bessere Umgang mit Misserfolgen und Herausforderungen, sind nur ein paar davon.

Am Ende des Artikels finden sich noch drei Achtsamkeitsübungen zum direkt Ausprobieren.



Guido 

Wiederentdeckung von Herz und Verstand 

[LINK



Startet mit etwas Sarkasmus und – wen wundert’s dabei? – Achtsamkeit mal ganz anders betrachtet.

Gesunder Menschenverstand und gesundes Menschengefühl müssen zu oft immer noch am Eingang abgegeben werden – mit fatalen Folgen!


Gefragt ist in erster Linie immer noch  rein  rationales Handeln und das Arbeiten nach Anweisungen, Regeln und Prozessrichtlinien. Anstatt uns  auszutauschen, aufeinander zu hören, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten.

Also: Kopf und Herz auch im Arbeitsleben einbringen


Der Kopf funktioniert aber nur dann wirklich gut, wenn er von den Emotionen, den Gefühle begleitet wird: dem Herz.

Was jetzt als neuartig wieder propagiert wird, ist im Zusammenleben der Menschen alter Kaffee


Vertrauen, Wertschätzung, emotionale Intelligenz, Empathie, Verbundenheit, Anerkennung etc. sind für menschliche Interaktionen unabdingbar. Sie müssen aber im Rahmen der Führung vielerorts erst wiederentdeckt werden.

Das zu verändern, erfordert viel Mut und Vertrauen


Ja, das Denken und Fühlen zu verändern, sich vorurteilsfrei auf Neues einzulassen, erfordert Mut und Vertrauen. Noch mehr davon brauchen wir, wenn wir Angst, Unsicherheit oder Fehler zugeben wollen. Denn wenn schon, sollen nur positive Emotionen (in gemässigter Form) gezeigt werden. Wer sich nicht dranhält, wird schnell als Querdenker oder Hofnarren abgestempelt.

Die «Co’s» brauchen den ganzen Menschen


Als Antwort auf die heutige VUCA-Welt (volatility - Unbeständigkeit, uncertainty - Unsicherheit, complexity - Komplexität und ambiguity - Mehrdeutigkeit) brauchen wir dringend einige Co’s. Co-Creation, Collaboration, Cooperation, die CoExistenz ehemaliger Wettbewerber als neue Partner. Mit dem einseitig auf Rationalität und Regeleinhaltung gepolten Menschen ist das nie und nimmer zu schaffen. So macht die Arbeit dann aber auch mehr Spass und bringt mehr Erfolg.



Andreas Zeuch 
New Work, Unternehmens-demokratie und Achtsamkeit [LINK]



Achtsamkeit heisst auch zu beobachten, wie ich eigentlich wahrnehme


Was nehme ich wahr, was nicht? Was blende ich aus? Welche Muster zeigen sich? Kann ich eine Wahrnehmung überdenken und korrigieren? Gibt es Aspekte, die ich eher wahrnehme als andere?

Wieso spielt Achtsamkeit in der Neuen Arbeit eine wichtigere Rolle?


Weil es darum geht, eine andere Arbeits- und Organisationskultur zu entwickeln und dies neue Anforderungen stellt wie bspw.:
  •     dynamische Führung, bei der laufend Führen und Folgen abgewechselt wird
  •     agil entscheiden trotz Unsicherheit und Widersprüchen
  •     steigende Komplexität bewältigen
  •     digitale Beschleunigung


Gerade in solchen Transformationen ist es wichtig, gut auf sich selbst zu achten


Es kommt erwiesenermassen gerade dann leicht zur Selbstausbeutung, wenn man aus sich selbst heraus motiviert ist, viel Handlungs- und Gestaltungsspielraum hat und die Arbeit grossen Spass macht. Niemand nimmt es mir ab, mir immer wieder zu überlegen: Ist das was ich mache und so wie ich es mache, das, was ich auf Dauer wirklich will?



Lisa Prause 
Interviewstudie zur Unter-suchung von Achtsamkeit und der Auswirkungen im Kontext New Work 
[LINK]


Mit neuen Organisationsmodellen geht ein Trend einher zu flacheren Hierarchien, agileren und kooperativeren Strukturen und der Wichtigkeit von sinnstiftenden Tätigkeiten.

Neues Führungsverständnis nötig


Das Konzept New Work zielt darauf ab, Sinn in der Arbeit zu stiften. Dies ist nur mit einer visionär handelnden Führungsebene möglich. New Work, Achtsamkeit und Mindful Leadership haben deshalb viele Gemeinsamkeiten.

Lässt sich die Wirkung von Achtsamkeit nachweisen?


In der vorliegenden Studie zeigen sich positive Effekte auf die Regulation von Emotionen in stressbehafteten Situationen. Besonders positiv wirkt achtsames Zuhören. Achtsame Führungskräfte sind damit besser ausgerüstet, eine Vertrauensbasis zu schaffen, die für die Belange der Mitarbeitenden Raum schafft.



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Donnerstag, 28. Februar 2019

Home Office - Innovationskiller?

Home Office fördern, da familien- und unweltfreundlich? Oder die Leute doch eher jeden Tag pendeln lassen, da Kreativität und Innovation nur gemeinsam vor Ort entstehen? Oder steckt da auch noch die Vertrauensfrage dahinter zusammen mit der Angst vor Kontrollverlust?



Foto von Spencer Selover von Pexels

In den letzten Wochen ist das Thema Home Office wieder breit und kontrovers diskutiert worden


Unter anderem wegen der Forderung der SP Deutschland nach einem Recht auf Home Office.

Nach dem ersten Hype hatte Yahoo 2013 als erste Firma alle ihre Mitarbeitenden wieder zurückgepfiffen. 




Passiert jetzt klammheimlich wieder etwas Ähnliches? 


Die Reaktionen auf die Initiative der SPD - die ich eher als Maximalforderung verstehe - sind zumindest sehr gemischt. Hier ein paar Artikel - kurz vorgestellt und verlinkt zum selber Nachlesen.




Nadja Alber: Ein Recht auf Homeoffice? [LINK]


  • Work@home wird weitherum als eines der wichtigsten Tools für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie angesehen
  • Es ist nicht zuletzt auch ein probates Mittel, um Familie und Beruf partnerschaftlicher zwischen Mann und Frau aufzuteilen
  • Vorteil für den Arbeitgeber: viele Studien zeigen auf, dass sich die Produktivität erhöht
  • ist umweltfreundlich und vermindert Stau und überfüllte Züge


Wichtig: "Nicht jeder Mitarbeiter kann Homeoffice – aber warum es deshalb ganz verbieten?" 


Wir müssen Mitarbeitende fair behandeln, was aber nicht heisst, dass alle im gleichen Umfang ein Recht auf Home Office erhalten müssen. Nicht alle Jobs sind ideal dafür. Geschäftliche oder private Situationen stellen unterschiedliche Ansprüche. 

Und, ja, Home Office ist eine Arbeitsweise, die sich nicht für alle gleichermassen eignet. Wenn dem so ist, dann muss es im Gespräch aber auch offen auf den Tisch.

Kommunikationsprobleme lassen sich mit guter Organisation und den richtigen Tools lösen. Ich bin auch der Meinung, dass für ein gutes Teamklima und eine Atmosphäre, in der Ideen sprühen und sich gegenseitig befruchten, gemeinsame Zeit vor Ort nötig ist. Aber das muss nicht die ganze Woche sein. 


One size fits all gibt es nicht


Wichtig ist, in jedem Team die passenden individuellen Lösungen zu finden - ein one size fits all gibt es hier nicht!



Arbeitgeber machen sich für mehr Heimarbeit stark (LINK) 





In Deutschland und der Schweiz werden seit längerem Anpassungen am Arbeitsgesetz und flexiblere Arbeitszeiten gefordert. Im Gegenzug wedelt man dann öfter mal mit dem Home Office-Zückerchen.

Fakt ist aber auch, dass bspw. in Deutschland 62% der Arbeitgeber Home Office ablehnen. Aber auch die Beschäftigten haben davon nicht nur Vorteile (Reibung zwischen Beruflichem und Privatem). Deshalb verlangen die Gewerkschaften klare Regeln.


Also: Gesetze aufweichen? Oder noch mehr Regeln? 


Das bringt uns wohl beides nicht weiter. Mehr Vertrauen, im Team ausgehandelte individuelle Lösungen, Win-win-Situationen wären wohl erfolgsversprechender.



Sebastian Smieja: Homeoffice für alle? Das geht in unserer Branche nur bedingt [LINK]  


Hier hat's zuerst einmal viele Gemeinplätze, die vorgeschoben werden:
  • nicht alles geht von zu Hause aus
  • Tools können den persönlichen Austausch nicht ersetzen
  • ein enges Verhältnis kann ohne Präsenzzeiten nicht entstehen

Ja, das wissen wir - aber nichts davon spricht gegen Home Office 


Schon ein wenig interessanter ist die Aussage, dass Kreativprozesse Präsenz vor Ort erfordern. Ohne geht es bestimmt nicht, da bin ich einverstanden - aber es braucht ebenso bestimmt auch keine ständige Anwesenheit. Ideen müssen sich auch setzen können, müssen ausgearbeitet werden. Wenn's in dieser Phase mal Feedback braucht, dann ist ein Chat sehr gut geeignet. 

Zudem: wo gibt es noch Teams, die den ganzen Tag zusammensitzen, gleichzeitig anwesend sind und ständig Zeit für kreativen Austausch haben?



Helena Serbent: Das "Recht auf Homeoffice" ist eine der besten SPD-Ideen seit Jahren [LINK]


Hier mal eine gehörige Portion Euphorie: grossartige, fantastische Idee. Es ist immer gut, wenn sich jemand für FlexWork einsetzt. Die üblichen Vorteile von Home Office werden aufgezählt. 

Auf zwei davon möchte ich kurz eingehen: 

  • Niemand sieht, wie du aussiehst, wenn du zu Hause vor dem Laptop sitzt. Du brauchst kein Business-Outfit mehr. Kennst du das Youtube-Video vom Mitarbeitenden, der in Unterhosen an einem Online-Meeting teilnimmt und nicht bemerkt, dass die Videokamera eingeschaltet ist? (Sorry, finde den Link dazu gerade nicht mehr)
  • Die Meinung, dass dadurch der Kinderhort überflüssig wird, teile ich nicht. Einem Kind und der Arbeit gleichzeitig gerecht zu werden, ist meiner Meinung nach nicht möglich. Natürlich kann aber man/frau bspw. trotzdem am Home Office Day vor oder nach der Schule für die Kinder dasein (und am Abend noch ein bisschen Arbeit anhängen).



Cornelia Daheim: Wissenschaftliche Daten zum Arbeiten im Homeoffice – aus Shanghai [LINK]


Home Office hat ein eher schlechtes Image. Viele Leute denken dabei: verdächtig, im Pyjama oder Unterwäsche arbeiten, in die Tasten hauen und dabei Babys herumtragen, nichts Konstruktives tun, die 3 Feinde: Bett, TV, Kühlschrank.


Die Facts aus einer breiten Langzeitstudie sind aber die folgenden:

  • Massive Leistungssteigerung um 24% (wenn diejenigen Home Office machen, die es auch wollen)
  • Fluktuationsrate sank um 50%

Es wäre also an der Zeit, die Vorurteile zu überwinden!


Schaut euch unbedingt das Video an (LINK). Eindrücklich.